Vor Ort ist es besonders dunkel

Der Bürgerkrieg in Syrien: Warum es manchmal klüger ist, abzuwarten VON FRANZISKA AUGSTEIN Mit den militärischen Interventionen des Westens verhält es sich nicht selten so, wie Pu der Bär es beim Honigfang erlebt hat: Man steckt - durchaus auch im eigenen Interesse - mit überwältigender Waffenkraft versehen im Namen von Demokratie und Freiheit seine Nase in ein fremdes Land, bleibt dann stecken und weiß nicht, wie man sich wieder zurückziehen soll. Das haben westliche Kommandeure in … [Read more...]

Scham

Georges-Arthur Goldschmidt hat zwar ein Lieblingscafé in Paris. Er kommt aber auch gern ins berühmte Café de Flore im 5. Arrondissement, wo in der ersten Etage Leute sitzen, die in Ruhe reden oder arbeiten wollen. Über drei Stunden hin begnügt er sich miteinem Espresso. Ihm bliebe auch wenig Zeit, mehr zu trinken: Er erzählt. VON FRANZISKA AUGSTEIN SZ: Ihre Eltern haben Sie 1938, als Sie noch keine zehn Jahre alt waren, aus Deutschland ins damals noch sichere Italien geschickt. Nach … [Read more...]

Den ganzen Bullshit wegräumen

Was den Spion und den Journalisten verbindet: Die Suche nach der Wahrheit - ein Gespräch mit John le Carré. Sein Name ist Cornwell, David Cornwell. Aber in der Welt ist er als John le Carré bekannt. Die Helden seiner Bücher haben mit James Bond nichts zu tun, sie haben nämlich ein Herz und folglich private Probleme. David Cornwell, der demnächst seinen 80. Geburtstag feiert, war Mitarbeiter der britischen Geheimdienste und offiziell als Diplomat tätig. 1964 quittierte er den Dienst. Seither … [Read more...]

Bä­ren­jahre

Er war Hitlerjunge, Kommunist, Häftling und Dissident - ein Mann des Wortes und des Widerwortes. Jetzt hat Erich Loest sein Alterswerk geschrieben, mild ist es nicht. Eine Begegnung in Leipzig. VON FRANZISKA AUGSTEIN Leipzig - Erich Loest ist streitbar, aber man sieht es ihm nicht an. Er sitzt in seinem Wohnzimmer, in einem bequemen Sessel und sieht so friedliebend aus wie ein Weinbauer im Austrag, wie einer der am Sonntag mit gemächlich-großen Schritten durch den Weinberg geht, den nun … [Read more...]

Was der Mensch erlebt, das ist die Welt

Imre Kertész hält seine Vita für ähnlich absurd wie die Geschichte Ungarns - anlässlich seines 80. Geburtstags spricht er über Gott und sein Leben. Als Fünfzehnjähriger, 1944, wurde Imre Kertész ins KZ deportiert. Er überlebte und arbeitete zunächst als Journalist. Als seine Zeitung zum KP-Parteiblatt gemacht wurde, gab er seine Stelle auf. Es dauerte Jahrzehnte, bis seine schriftstellerische Arbeit Anerkennung fand. 2002 erhielt er als erster Ungar den Literaturnobelpreis. SZ: Nachdem Sie … [Read more...]