Die Ver­a­mei­sung der Welt

Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und spricht über Menschen, Bücher und Insekten. VON FRANZISKA AUGSTEIN Margaret Atwoods Lächeln begeistert das Publikum in der Frankfurter Paulskirche, bevor sie auch nur ein Wort gesagt hat. Es ist bezaubernd-spitzbübisch und leicht amüsiert, es kündet von souveräner Bescheidenheit und ist zugewandt. Die Gesellschaft im Festsaal ist hingerissen: Vorderbänkler und wer noch eben in den Festsaal geschlüpft ist, Linke und … [Read more...]

Ein sozialer Solitär

Gregor Gysis Autobiografie zeigt das Leben eines Mannes, der an seinen Idealen festhält. VON FRANZISKA AUGSTEIN Im Jahr 1999 traf Gregor Gysi mit Helmut Kohl zusammen. Der Altkanzler zeigte, dass seine Masche, mit anderen Politikern über ihre privaten Verhältnisse zu reden, um lockeren Umgang zu schaffen, nicht aufgesetzt war. Bei dem Treffen mit Gysi, so schreibt dieser in seiner Autobiografie, „erklärte“ Kohl „mir meinen Vater!“: Wenn der sich in der DDR gegen die SED gestellt hätte, … [Read more...]

Ein Gefühl von Hei­mat­lo­sig­keit

Eine Nation auf der Suche nach sich selbst: Dieter Borchmeyer folgt den Deutschen bei ihren Versuchen, sich ihre Geschichte zu erklären. Mithilfe von Hegel, Fichte, Goethe, Bloch, Walser, Thomas Mann und Richard Wagner. VON FRANZISKA AUGSTEIN Die Deutschen, hartnäckig, ließen es mit einem Weltkrieg nicht auf sich beruhen. Wenig später begannen sie den Zweiten und setzten die fabrikmäßig betriebene Vernichtung von Millionen Menschen ins Werk. Seither fragen die Nachgeborenen, was faul war … [Read more...]

Die erste Seite ist der Vertrag mit dem Leser

Julian Barnes über das Schreiben, den Brexit, die Rolle des Geldes und darüber, warum Großbritannien ein seltsames Land geworden ist INTERVIEW: FRANZISKA AUGSTEIN An diesem Freitag erhält der britische Autor Julian Barnes für sein erzählerisches Werk den Siegfried-Lenz-Preis. Seine Eltern waren Französischlehrer, Julian Barnes selbst liebt Frankreich ebenso wie England. Sein erstes Buch, „Metroland“ (1980) handelt auch von Frankreich. Mittlerweile ist er weltberühmt. Er gehört zu den wenigen … [Read more...]

Schatten von gestern

Bald wird John le Carré 85 Jahre alt: In „Der Taubentunnel“ erzählt der britische Schriftsteller und frühere Geheimdienstmann Geschichten aus seinem Leben. Und wieder erweist er sich als blendender Unterhalter. VON FRANZISKA AUGSTEIN David Cornwell, wie John le Carré mit richtigem Namen heißt, hat es nicht gern, wenn andere über ihn oder seine Bücher schreiben. Das ist nur allzu verständlich: Jeder, der rezensiert, macht sich zum Meister über das Buch und den Autor. Zu le Carrés Verdruss … [Read more...]