Die große Illusion

Mit dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland hat auch die Idee gesiegt, am Bruttoinlandsprodukt lasse sich der Wohlstand eines Landes ablesen. Das Wirtschaftswachstum hat politische Priorität. Die Endlichkeit der Ressourcen spielt da keine Rolle. Es ist Zeit, dass sich das ändert. VON FRANZISKA AUGSTEIN Dem Wirtschaftswachstum eines wohlhabenden Landes ist es zuträglich, wenn sich auf einer Autobahn eine Massenkarambolage ereignet. Was anschließend alles unternommen werden muss, um … [Read more...]

Erbe des Son­nen­kö­nigs

Selten hat der Karlspreis einen Besseren getroffen als jetzt Emmanuel Macron. Er plädiert für mehr fiskalische Solidarität in der Euro-Zone. Wie kann er sich das erlauben? Teils liegt es an der Vorherrschaft des keynesianischen Denkens in Frankreich. Ein wenig liegt es auch an Ludwig XIV. VON FRANZISKA AUGSTEIN Ludwig XIV. hatte zwar die Macht im Staat zentralisiert und die hohe Aristokratie weitgehend entmachtet, doch wurde letztere dafür großzügig von Steuerzahlungen ausgenommen. Das … [Read more...]

Die Welt verstehen

VON FRANZISKA AUGSTEIN Vor dreißig Jahren sah Marx ziemlich alt aus. Schlagwörter aus dem „Kapital“, wie „Verelendungstheorie“, „Proletariat“, „Klasse“, „Entfremdung“ hatten in eine Sackgasse geführt: Deutsche Arbeiter besaßen einen Mercedes, viele wählten CDU und fühlten sich nicht entfremdet. Heute, da die Globalisierung wirkt, hat sich das geändert. Seitdem jeder Konzern seine Waren dort anfertigen lässt, wo sie am billigsten produziert werden, ist Ausbeutung wieder ein Thema. Vorboten des … [Read more...]

Hüh­ner­suppe für alle

Von den Deutschen sagen viele, die Inflation von 1923 habe sie dermaßen traumatisiert, dass sie bis heute auf Geldwertstabilität pochen. Das ist nicht plausibel. Waren es nicht vielmehr der Zweite Weltkrieg, die Währungsreform und das Wirtschaftswunder, die aus den Deutschen knauserige Europäer machten? VON FRANZISKA AUGSTEIN Sag mir, woher du kommst – und ich sage dir, wer du bist: Das galt früher. Die Idee vom Nationalcharakter, einst unentbehrlich für viele Geistesgrößen, Geostrategen … [Read more...]

Machen Sie die Zahl größer!

Robert Koopman, Chefökonom der Welthandelsorganisation, über wirtschaftliche Entwicklungen, Trump und China VON FRANZISKA AUGSTEIN Robert Koopmans Vater besaß drei Restaurants. Serviert wurde fleischlastige, heimische, also amerikanische Küche. „Mit acht habe ich gekellnert“, sagt Koopman, „mit 14 habe ich eine Schicht geleitet, mit 16 ein Restaurant.“ Dann studierte er. Seine praktische Erfahrung ist dem Chefökonomen der Welthandelsorganisation (WTO) bis heute nützlich. So glaubt er nicht … [Read more...]