Raffinierter Anverwandler: Der irische Schriftsteller John Banville wird siebzig Jahre alt VON FRANZISKA AUGSTEIN John Banville kennt den britischen Humor sehr gut. Er weiß, wie man Umstehende amüsiert, indem man sich selbst schlechter macht, als man ist. Als Ire und Absolvent der Christian Brother’s School im südirischen Wexford kennt er auch den Katholizismus sehr gut. 1969, lange nach Banvilles Zeit, durfte erstmals eine Frau dort Lehrerin werden; 1972 wurde eine Turnhalle eröffnet. Vom … [Read more...]
Weckruf für den Westen
Navid Kermani erhielt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede fordert er mehr Kampfgeist gegen den IS. VON FRANZISKA AUGSTEIN Seit 2009 wurde der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani mit neun Preisen bedacht, deren Zahl nun um den Friedenspreis des deutschen Buchhandels ergänzt worden ist. Wer da meint, das lasse auf eine gewisse gedankliche Behäbigkeit deutscher Jurys schließen, ja auf einen Automatismus, wie er sich bei chemischen Kettenreaktionen … [Read more...]
Im Blick der toten Augen
Der Auschwitz-Roman „Interessengebiet“ des englischen Autors Martin Amis erscheint auf Deutsch – in der Schweiz. VON FRANZISKA AUGSTEIN Vor etwa zehn Jahren erhielt der spanische Schriftsteller Jorge Semprún, der das KZ Buchenwald überlebt hatte, Besuch von einem Möchtegern-Autor: Der wollte einen Roman über ein KZ schreiben; Semprún, der Kenner, sollte ihm seinen Plot absegnen. Anschließend erzählte Semprún der SZ, dichterische Freiheit sei nötig, ja; aber wenn die Realität im KZ komplett … [Read more...]
Kampf gegen den Mob
Horst Möllers Strauß-Biografie macht den CSU-Politiker langweiliger als er war. VON FRANZISKA AUGSTEIN Der Wille zur Macht ist in der Politik nicht ehrenrührig. Politiker müssen das Sagen haben, so sie ihre Ideen verwirklichen wollen. Horst Möller konzediert, dass auch Franz Josef Strauß von Machtstreben und Geltungssucht nicht frei war. Stärker sei indes ein anderer Antrieb gewesen: „seit jungen Jahren das durchgängige Motiv, helfen zu wollen“. Franz Josef Strauß gelang, was wenigen … [Read more...]
Vor Ort ist es besonders dunkel
Der Bürgerkrieg in Syrien: Warum es manchmal klüger ist, abzuwarten VON FRANZISKA AUGSTEIN Mit den militärischen Interventionen des Westens verhält es sich nicht selten so, wie Pu der Bär es beim Honigfang erlebt hat: Man steckt - durchaus auch im eigenen Interesse - mit überwältigender Waffenkraft versehen im Namen von Demokratie und Freiheit seine Nase in ein fremdes Land, bleibt dann stecken und weiß nicht, wie man sich wieder zurückziehen soll. Das haben westliche Kommandeure in … [Read more...]