Einfalt oder Vielfalt

Rede vom 11. November 2005, gehalten auf der „Berliner Zeitungskonferenz“. VON FRANZISKA AUGSTEIN Die Einladung zu dieser Tagung habe ich vor ungefähr einem halben Jahr erhalten. Seitdem steht in meinem Kalender unter dem Datum des zehnten November ganz groß das Wort: Berlin. Jetzt bin ich hier, und es ist offensichtlich: Die Organisatoren dieser Tagung haben keine Mühe gescheut. Sie haben es geschafft, jemanden dazu zu überreden, die „Berliner Zeitung“ jetzt zu erwerben: pünktlich zur … [Read more...]

Sau­er­kraut­po­li­tik

Die EU gibt es kaum - und schon soll sie kosmopolitisch sein. VON FRANZISKA AUGSTEIN Wenn es um die politische Zukunft Europas ging, sprach Helmut Kohl gern vom "europäischen Haus". Wie dies Gebäude errichtet wird, hat Georg Kreisler in einem Lied beschrieben: "Nächste Woche bau ich dann den Söller, übernächste Woche kommt der Keller." Da wird von europäischem Kosmopolitismus und Weltinnenpolitik geredet, während die EU in ihrem Binnenraum noch nicht richtig funktioniert. Da sollen die … [Read more...]

Wie man die Dinge beim Namen nennt

Über Auschwitz schreiben „Nie wieder Auschwitz!“ Dieser Satz gehört mittlerweile zum Sprachschabloneninventar von Außenministern und Präsidenten. Doch was heißt es, über Auschwitz zu sprechen, über Auschwitz zu schreiben? Wohlmeinende Lehren können leicht in Taktlosigkeiten enden. Die Überlebenden selbst aber haben Zeugnis abgelegt vom „Unvorstellbaren“. VON FRANZISKA AUGSTEIN In den siebziger Jahren, bevor die Serie „Holocaust“ im deutschen Fernsehen gezeigt wurde, waren die Vernichtung … [Read more...]

Glaube, Hoffnung, Gewalt

Wenn die Menschenrechte Kriegsgrund sind. VON FRANZISKA AUGSTEIN Früher war es die Verbreitung von Christentum und Zivilisation, in deren Namen die starken Staaten des Abendlandes andere Völker zu unterjochen trachteten. Dann wurde kurzzeitig der Kampf gegen den Kommunismus und für die Freiheit das gängige Credo. Seit den neunziger Jahren hat der Westen wieder andere Ziele gefunden: Demokratie und Menschenrechte. Einiges von dem, was im Namen dieses Glaubens unternommen wird, ist aber … [Read more...]

Mein Vater, der tote Löwe – Verabschiedung von Karl Rudolf Augstein

Am 25. November 2002 wurde mein Vater, Rudolf Augstein, der am 7. November verstorben war, in der Hamburger Hauptkirche Sankt Michaelis mit einem Staatsakt geehrt. Kein Angehöriger stand auf der Rednerliste. Mein Vater, so fand ich, sollte nun aber nicht nur von Fremden verabschiedet werden. Als einziger der Repräsentanten von Staat und Hansestadt war der damalige Bundespräsident Johannes Rau vorab informiert und um sein Plazet gebeten worden. VON FRANZISKA AUGSTEIN Der "Spiegel" … [Read more...]