Steh auf, Arthur, es ist Re­vo­lu­tion

Die Republik von Weimar war gar nicht so schlecht, sagt Robert Gerwarth. US-Präsident Wilson war gar nicht so gut, sagt Eckart Conze. Zwei Bücher über das Ende des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren – und über Rassismus bei den Friedensverhandlungen in Versailles. VON FRANZISKA AUGSTEIN Am 6. November 1918 reiste der spätere Reichskanzler Hermann Müller, ein Sozialdemokrat, mit der Eisenbahn in die Hafenstadt Kiel, wo Matrosen und Arbeiter seit einigen Tagen revoltierten. Im Zug wurde er … [Read more...]

Die Signora

Durch Zufall, den frühen Tod ihres Mannes, wurde die Fotografin Inge Feltrinelli Verlegerin. Sie war eine standhafte Frau und eine Salonlöwin erster Güte. Jetzt ist sie in Mailand gestorben. VON FRANZISKA AUGSTEIN Inge Feltrinelli war nicht bloß eine verehrte, mit vielen Orden behängte Verlegerin, nicht bloß eine wahre Salonlöwin; sie war auch ihren Freunden eine gute, treue Freundin. Hatte sie von dieser oder jenem länger nichts gehört, meldete sie sich – wie es denn gehe, ob man sie … [Read more...]

Die Ver­a­mei­sung der Welt

Margaret Atwood erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und spricht über Menschen, Bücher und Insekten. VON FRANZISKA AUGSTEIN Margaret Atwoods Lächeln begeistert das Publikum in der Frankfurter Paulskirche, bevor sie auch nur ein Wort gesagt hat. Es ist bezaubernd-spitzbübisch und leicht amüsiert, es kündet von souveräner Bescheidenheit und ist zugewandt. Die Gesellschaft im Festsaal ist hingerissen: Vorderbänkler und wer noch eben in den Festsaal geschlüpft ist, Linke und … [Read more...]

Ein sozialer Solitär

Gregor Gysis Autobiografie zeigt das Leben eines Mannes, der an seinen Idealen festhält. VON FRANZISKA AUGSTEIN Im Jahr 1999 traf Gregor Gysi mit Helmut Kohl zusammen. Der Altkanzler zeigte, dass seine Masche, mit anderen Politikern über ihre privaten Verhältnisse zu reden, um lockeren Umgang zu schaffen, nicht aufgesetzt war. Bei dem Treffen mit Gysi, so schreibt dieser in seiner Autobiografie, „erklärte“ Kohl „mir meinen Vater!“: Wenn der sich in der DDR gegen die SED gestellt hätte, … [Read more...]

Ein Gefühl von Hei­mat­lo­sig­keit

Eine Nation auf der Suche nach sich selbst: Dieter Borchmeyer folgt den Deutschen bei ihren Versuchen, sich ihre Geschichte zu erklären. Mithilfe von Hegel, Fichte, Goethe, Bloch, Walser, Thomas Mann und Richard Wagner. VON FRANZISKA AUGSTEIN Die Deutschen, hartnäckig, ließen es mit einem Weltkrieg nicht auf sich beruhen. Wenig später begannen sie den Zweiten und setzten die fabrikmäßig betriebene Vernichtung von Millionen Menschen ins Werk. Seither fragen die Nachgeborenen, was faul war … [Read more...]